Stadtpfarrkirche Sankt Michael

Die Inschriften der Glocken:

"Meinen Klang gieb ich - Gott lob und preis ich - allen Christen ruff ich - die hohen Fest sing ich - die schädtling Gewitter vertreib ich - die Toten bewein ich - gott erbarm sich. Lust und lieb zu seinem Ding - macht alle Mühe und Arbeidt gering." (Glocke 1, Friedensglocke)

"Die glocke wart gegossin so man zalt noch Xti gepurt drusihudert jar und dar noch in de nuwe und si" (Glocke 2, Elfuhrglocke)

"Caspar - Balthasar - Melchior - lis - mich - lob - en" (Glocke 3, Dreikönigsglocke)

"Joseph Etzell goss mich in Vorcheimb 1666 - Edelste Königin der Menschen und der Engeleien - Gegrüßet seist du" (Glocke 4, Marienglocke)

Weithin sichtbar durch ihre besondere Lage ist die katholische Stadtpfarrkirche St. Michael, wobei sie den ansteigenden Marktplatz als Abschluss an seiner obersten Stelle dominiert und somit dessen Gesamtbild in charakteristischer Weise prägt.

Hans Brech - Chronik und Informationen zur Stadtpfarrkirche Sankt Michael in Zeil am Main

Nun ist verbürgt, dass die älteste Kirche zu Zeil dem Johannes Baptista geweiht war. Nach ihren noch erhaltenen Bauteilen im Gefüge der neuen Kirche muss sie in der Zeit des Übergangs vom 12. zum 13. Jahrhundert errichtet worden sein. ... Ist das Wissen um die dem Johannes Baptista geweihte älteste Zeiler Kirche auch aus der Erinnerung geschwunden, so künden außer geringen baulichen Spuren noch zwei unübersehbare Zeugen von ihr: ihre einstigen Glocken, jetzt noch im Turm der neuen Stadtpfarrkirche aufgehängt. (CHR, Bd. 1, S. 36-38).
Anmerkung: Wie schon eingangs bemerkt, hat es die dem Johannis Baptista geweihte Kirche aus dem 12.-13. Jh. wohl nie gegeben. Die ältesten Spuren aus der heutigen Kirche entstammen dem 14. Jh. (H.B.)

Auch die Kirche war für das heranwachsende Gemeinwesen und für die eingepfarrten Dörfer, zu denen außer Schmachtenberg, Ziegelanger und Steinbach auch Krum und Augsfeld gehörten, zu eng geworden. Vielleicht erschien der alte Bau jenen Bürgern, welche dem im Barock sich offenbarenden neuen Lebensgefühl zugeneigt waren, als zu schlicht, zu düster, zu wenig anziehend und nicht repräsentativ genug. Der Wunsch nach einer neuen und schöneren Kirche erfaßte immer weitere Kreise der Einwohnerschaft. Schließlich setzte sich der Rat nicht nur mit der kirchlichen Behörde in Würzburg, sondern auch mit der fürstbischöflichen Regierung in Bamberg in Verbindung. Er beriet auch über die Beschaffung benötigter Mittel und nahm Fühlung mit dem Baumeister Melchior Kurtz auf, der sich um den Bau der Kirche große Verdienste erworben hat. Burgerrathsprotokolle und Kirchenpfleger-Rechnungen verraten über die Vorgeschichte zum Bau nicht viel. 1711 bewilligte die fürstbischöfliche Kammer zu Bamberg den freien Bezug des für den Bau notwendigen Holzes. Sie bedang sich aber aus, dass später der Kirchenboden kostenlos zur Aufschüttung des herrschaftlichen Getreides zur Verfügung gestellt werden müsse377. Mit dem Bau konnte 1713 (Zahl außen am Westsockel) begonnen werden. Was für die Neuplanung nicht einbeziehbar schien, wurde niedergerissen: die vier Außenmauern vor allen Dingen. Erhalten blieben Chorgewölbe und Turm. Der alte Schandstein, der "Stock vor der Kirchentür", wurde nicht mehr aufgestellt. Drei der Altäre holten die Bischwinder hinweg. Länger als gedacht, zog sich der Bau hin. Endlich, im Jahr 1732, war auch die Innenausstattung fertiggestellt. Die Weihe konnte vollzogen werden. Seine "hochfürstliche Gnaden der Herr Weybischof von Würzburg" nahm sie vor. Er war bei seiner Herreise geziemend an der Gemarkungsgrenze begrüßt und in die festlich geschmückte Stadt geleitet worden. Nach der Weihe durften die Zeiler ihre Firmlinge zuführen. Es ist kaum anzunehmen, dass die 1716 für 4 Pfund 6 Pfennig angekaufte Sanduhr, die dem Ortsgeistlichen für die Bemessung seiner Predigt dienlich sein sollte, bei Anwesenheit des Weihbischofs auf der Kanzelbrüstung Aufstellung fand. (CHR, Bd. 1, S. 246 f.)